Brigitte Glaser: Rheinblick

November 1972: Bei Hilde Kessel, der Wirtin des Bonner Lokals „Rheinblick“, treffen sich Politiker und Ministerialbeamte. Und natürlich gibt es in diesen Tagen nur ein Thema: den Wahlsieg der Sozialdemokraten. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ist die SPD zur stärksten politischen Kraft geworden.  Gleichzeitig brodelt die Gerüchteküche: Was ist von dem gescheiterten Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Brandt zu halten? Sind Stimmen gekauft worden? Hilde hört die täglichen Unterhaltungen an ihrer Theke, aber sie mischt sich nicht ein und gibt ihr Wissen niemals weiter. Nur einmal hat sie diesen Fehler begangen … .

Willy Brandt hat einen großen Sieg errungen, aber er kann ihn nicht genießen. Unmittelbar nach dem Wahlabend muss er sich in einem Bonner Krankenhaus an den Stimmbändern operieren lassen. Danach wird ihm für 10 Tage ein striktes Sprechverbot erteilt. Die Logopädin Sonja Engel soll ihm helfen, seine Stimme wiederzufinden. Aber der Kanzler wird streng abgeschirmt, nur selten kann sie zu ihm durchdringen. Abends kehrt sie frustriert in ihre WG zurück, wo linke Studenten die ganz großen Utopien diskutieren.

In Sonjas WG taucht dann die junge Reporterin Lotti Legrand auf, die für die Kehler Tageszeitung ein Interview mit dem jungen Bundestagsabgeordneten Wolfgang Schäuble führen soll. Als Lotti zufällig vom Mord an einer jungen Frau in Bonn erfährt und erste Spuren in die politische Sphäre zu führen scheinen, wittert sie eine große journalistische Chance, zumal ihre Wohngenossin Sonja die Ermordete als Patientin kannte. „Brigitte Glaser: Rheinblick“ weiterlesen

Graham Moore: Der Mann, der Sherlock Holmes tötete

1893: Arthur Conan Doyle hat genug von ihm, diesem Sherlock Holmes, der ihm zwar jede Menge Ruhm und nebenbei auch ein auskömmliches Leben eingebracht hat, der aber gleichzeitig den Blick auf sein sonstiges literarisches Werk verstellt. Immer wollen die Leute nur von Sherlock hören, immer wieder Sherlock. Conan Doyle mag nicht mehr. Er beschließt daher, Sherlock sterben zu lassen und lässt ihn in den Reichenbachfällen in den Schweizer Alpen umkommen. Der Autor ist mit diesem Entschluss ausgesprochen zufrieden, das Publikum allerdings überhaupt nicht. Conan Doyle wird in der Öffentlichkeit beschimpft und sogar angegriffen. Er muss sich als Mörder des weltberühmten Detektivs bezeichnen lassen.

Jahre später wird der Autor Opfer eines Briefbombenanschlags, der zu seinem Glück glimpflich verläuft. Zusammen mit der Bombe wird ihm das Bild einer ermordeten jungen Frau zugesandt. Da er der Polizei – ähnlich wie sein Held Sherlock – nicht besonders viel zutraut, unternimmt er selbst Nachforschungen. Sein Freund Bram Stoker, der Schöpfer von Dracula, unterstützt ihn dabei.

2010: In einem Hotel in New York treffen sich die Baker Street Irregulars, eine literarische Gesellschaft, die sich mit den Erzählungen rund um Sherlock Holmes befasst. Ein führendes Mitglied hat für den folgenden Tag eine Sensation angekündigt: Er werde einen Band der Tagebücher Conan Doyles präsentieren, der seit jeher als verschollen galt und nach dem er bereits zeit seines Lebens auf der Suche war. Doch bevor er seinen Fund dem staunenden Publikum vorführen kann, wird er tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden, und das Tagebuch ist erneut verschwunden. Ein anderer Irregular, der Literaturwissenschaftler Harold White, sowie die Journalistin Sarah Lindsay machen sich nach England auf, um Mörder und Tagebuch zu finden. „Graham Moore: Der Mann, der Sherlock Holmes tötete“ weiterlesen

Nino Haratischwili: Die Katze und der General

In einem packenden Auftakt schildert Haratischwili ein tschetschenisches Mädchen, Nura, das im Begriff steht, sich aus den Konventionen und Zwängen ihres Dorfes zu lösen. Mentorin ist eine Russin, die als Lehrerin gekommen war. Allerdings muss sie wegen der im Vorfeld des ersten Tshetschenienkrieges wachsenden Spannungen das Dorf verlassen.
Im Krieg selbst wird Nura das Opfer eines brutalen  Kriegsverbrechens. Die Frage nach den Konsequenzen dieses Verbrechens, nach Schuld und Verantwortung bildet das zentrale Thema des Romans. „Nino Haratischwili: Die Katze und der General“ weiterlesen

Fred Vargas: Der Zorn der Einsiedlerin

Der Zorn der Einsiedlerin von Fred Vargas

Nein, ein gewöhnlicher Krimi ist es nun wahrlich nicht, den die „Königin des französischen Kriminalromans“ (Figaro) geschrieben hat. Schon dass neben der eigentlichen Fall von Kommissar Adamsberg noch sozusagen im Vorbeigehen weiterer Mordfall gelöst wird, passt nicht ins Krimiraster.
Mehr oder minder zufällig stößt Adamsberg darauf, dass sich einer seiner Mitarbeiter für Todesfälle durch Spinnenbiss interessiert. Seiner Intuition folgend beschäftigt sich der Kommissar mit diesen Todesfällen. Er glaubt nicht an Unfälle, er ist überzeugt, es handelt „Fred Vargas: Der Zorn der Einsiedlerin“ weiterlesen

Dina Nayeri: Drei sind ein Dorf

„Dein Leben war ein Seidenkleid, das hundert Näherinnen blenden kann, und du zündest es einfach an.“ Die Mutter kann nicht verstehen, dass ihre Tochter Nilou die Sicherheit ihrer Existenz, ihre Ehe mit dem erfolgreichen französischstämmigen Anwalt Gui aufs Spiel setzt.
Die achtjährige Nilou, ihr jüngerer Bruder Kian und ihre Mutter mussten nach der Machtübernahme der Mullahs im Iran das Land verlassen. Nilous geliebter Vater, erfolgreicher Zahnarzt, Liebhaber persischer Lyrik und Literatur, bleibt im Iran, verspricht, „Dina Nayeri: Drei sind ein Dorf“ weiterlesen