Nino Haratischwili: Die Katze und der General

In einem packenden Auftakt schildert Haratischwili ein tschetschenisches Mädchen, Nura, das im Begriff steht, sich aus den Konventionen und Zwängen ihres Dorfes zu lösen. Mentorin ist eine Russin, die als Lehrerin gekommen war. Allerdings muss sie wegen der im Vorfeld des ersten Tshetschenienkrieges wachsenden Spannungen das Dorf verlassen.
Im Krieg selbst wird Nura das Opfer eines brutalen  Kriegsverbrechens. Die Frage nach den Konsequenzen dieses Verbrechens, nach Schuld und Verantwortung bildet das zentrale Thema des Romans.Aus unterschiedlichen Perspektiven wird erzählt, was aus den Tätern geworden ist, insbesondere aus dem „General“, der eigentlich ein einfacher Soldat gewesen ist. Die aus Georgien stammende Schauspielerin Sesili, die Nura verblüffend ähnlich sieht, bringt den „General“ gut 20 Jahre nach dem Verbrechen auf die Idee, die Beteiligten zu einem Zusammentreffen zu zwingen und Rechenschaft einzufordern.
Natürlich ist die Frage von Schuld und Verantwortung nicht so klar zu beantworten, aber das schreckliche Verbrechen, so zeigt der Roman, hat auch das Leben der Täter nachhaltig vergiftet.
Der geschichtliche Hintergrund des Endes der Sowjetunion, der beiden Kriege in Tschetschenien, der Gold- und Totengräberstimmung wird im Roman anschaulich gemacht an einer Vielzahl von Figuren, die bestimmte Facetten dieser Zeit repräsentieren: Korruption, Machtmissbrauch, Armut und Reichtum, Unantastbarkeit des Militärs usw. Das Buch ist gerade wegen der historischen Hintergründe eine spannende Lektüre, es wird auch ganz deutlich mit den Mitteln des Thrillers gearbeitet, man hätte sich jedoch an einigen Stellen gewünscht, die Autorin hätte weniger ausschweifend und mehr auf den Punkt geschrieben.
Nino Haratischwili: Die Katze und der General, 2018, 750 Seiten, Hardcover
ISBN 9783627002541

 

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