Keigo Higashino, Ich habe ihn getötet

Es ist nicht ganz leicht, dieses Buch zu rezensieren, ohne zuviel zu verraten. Ich schlage also vor: Wer nicht allzuviel wissen will, der liest nur bis zur Trennlinie. Wer es genauer wissen will, kann dann ja weiterlesen.

In diesem auf Deutsch gerade erschienenen Kriminalroman (auf Japanisch ist er bereits seit 2002 verfügbar) ermittelt der uns schon bekannte Kommissar Kaga im Fall des Drehbuchautors Makoto, der am Tag seiner Hochzeit vergiftet wird. Dabei bedient sich der Autor einer ungewöhnlichen Erzählweise: Die drei Hauptverdächtigen erzählen abwechselnd über die Vorgänge und alle drei nehmen dabei für sich in Anspruch: Ich habe ihn getötet. (In diesem Zusammenhang sei eine kurze Bemerkung gestattet: Der Klappentext des Verlages deutet an, alle drei Verdächtigen hätten den Mord gestanden, und das mache es für den Kommissar besonders schwierig, den Fall zu lösen. Dabei wird übersehen, dass diese Geständnisse nur gegenüber dem Leser formuliert werden, gegenüber den ermittelnden Beamten leugnen die Verdächtigen einhellig. Manchmal fragt man sich schon, ob die Verfasser von Klappentexten das Buch überhaupt gelesen haben … .)

Die Handlung ist, wie immer bei Higashino, kompliziert und detailreich, der Leser muss schon sehr genau aufpassen, um alles mitzubekommen. Alles dreht sich darum herauszufinden, wer Gelegenheit hatte, dem Ermordeten, der regelmäßig Medikamente einnahm, die Giftkapsel unterzuschieben. Dabei gibt es zahlreiche Wendungen, manchmal wurde es mir hier ein wenig zuviel, obwohl ich ansonsten ein großer Fan von Higashino bin. Also, stellen Sie sich auf eine nicht ganz hindernislose Lektüre ein.

Der eigentliche Clue am Schluss ist, dass es ihn nicht gibt. Es endet ein wenig wie bei Agatha Christie: Alle Verdächtigen werden zusammengerufen und Kommissar Kaga stellt seine Ermittlungsergebnisse vor. Er endet mit den Worten: „Der Mörder sind Sie!“ Nur leider teilt uns der Autor nicht mit, wer es denn nun ist. Statt dessen gibt am Ende einen weiteren Teil von einigen Seiten – den man übrigens erst mit der Schere öffnen muss -, der eine Anleitung zur Lösung des Falles enthält. Aber wer der Mörder ist, erfahren wir dennoch nicht. Man kann mit den Hinweisen nochmal erneut durch das Buch blättern und nach den jeweiligen Stellen suchen, die die entscheidenden Hinweise enthalten sollen, womöglich muss man auch das ganze Buch nochmal neu lesen … ich gebe zu, ich weiß immer noch nicht, wer der Mörder ist. Und ich gebe weiter zu, ich habe im Internet recherchiert, ob die Lösung irgendwo vorliegt, allerdings ohne Erfolg. Irgendwie, finde ich, ist Higashino da doch etwas über das Ziel hinausgeschossen. Irgendwo im Buch hätte man doch die Lösung unterbringen können oder meinetwegen auf der Seite des Verlages. So bleibt man doch etwas ratlos zurück. (Ich bitte alle Blogleser, die den Mörder kennen, mir des Rätsels Lösung zu verraten. Vielen Dank!)

5 Gedanken zu „Keigo Higashino, Ich habe ihn getötet“

  1. Ich habe das Buch soeben zu Ende gelesen und bin auch nicht auf die Lösung gekommen. Spannend ist es ja dennoch. Es regt einen dazu an das Buch noch einmal zu lesen. Aber dazu benötige ich dennoch eine Pause dazwischen 🙂 Ich weiss also auch noch nicht wer der Mörder ist und möchte es ganz gerne wissen.

  2. Hi zusammen,

    habe das Buch gestern zu Ende gelesen und mir noch ewig danach den Kopf darüber zerbrochen wer es denn nun gewesen ist.

    Ich habe einen Verdacht. Mir fehlt aber noch das letzte Puzzlestückchen.
    Wenn hier gern jemand über die Lösung diskutieren möchte, ich bin dabei.

    Mich lässt das einfach nicht los 🙂

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