Graham Moore: Der Mann, der Sherlock Holmes tötete

1893: Arthur Conan Doyle hat genug von ihm, diesem Sherlock Holmes, der ihm zwar jede Menge Ruhm und nebenbei auch ein auskömmliches Leben eingebracht hat, der aber gleichzeitig den Blick auf sein sonstiges literarisches Werk verstellt. Immer wollen die Leute nur von Sherlock hören, immer wieder Sherlock. Conan Doyle mag nicht mehr. Er beschließt daher, Sherlock sterben zu lassen und lässt ihn in den Reichenbachfällen in den Schweizer Alpen umkommen. Der Autor ist mit diesem Entschluss ausgesprochen zufrieden, das Publikum allerdings überhaupt nicht. Conan Doyle wird in der Öffentlichkeit beschimpft und sogar angegriffen. Er muss sich als Mörder des weltberühmten Detektivs bezeichnen lassen.

Jahre später wird der Autor Opfer eines Briefbombenanschlags, der zu seinem Glück glimpflich verläuft. Zusammen mit der Bombe wird ihm das Bild einer ermordeten jungen Frau zugesandt. Da er der Polizei – ähnlich wie sein Held Sherlock – nicht besonders viel zutraut, unternimmt er selbst Nachforschungen. Sein Freund Bram Stoker, der Schöpfer von Dracula, unterstützt ihn dabei.

2010: In einem Hotel in New York treffen sich die Baker Street Irregulars, eine literarische Gesellschaft, die sich mit den Erzählungen rund um Sherlock Holmes befasst. Ein führendes Mitglied hat für den folgenden Tag eine Sensation angekündigt: Er werde einen Band der Tagebücher Conan Doyles präsentieren, der seit jeher als verschollen galt und nach dem er bereits zeit seines Lebens auf der Suche war. Doch bevor er seinen Fund dem staunenden Publikum vorführen kann, wird er tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden, und das Tagebuch ist erneut verschwunden. Ein anderer Irregular, der Literaturwissenschaftler Harold White, sowie die Journalistin Sarah Lindsay machen sich nach England auf, um Mörder und Tagebuch zu finden. „Graham Moore: Der Mann, der Sherlock Holmes tötete“ weiterlesen

C. J. Tudor, Der Kreidemann

 

Als der zwölfjährige Eddie mit seinen gleichaltrigen Freunden im Sommer 1986 einen Jahrmarkt besucht, ereignet sich ein furchtbarer Unfall, bei dem in Eddies unmittelbarer Nähe ein Mädchen schrecklich verletzt wird. Ein Lehrer seiner Schule, Mr. Holloran, greift beherzt ein und rettet dem Mädchen das Leben. So kommt Eddie in Kontakt mit Holloran, der neu in der Stadt und Hobbymaler ist. Er bringt Eddie und seine Freunde auf die Idee, sich mittels kleiner Kreidestrichmännchen, die sie auf die Straße und auf Mauern kritzeln, gegenseitig Botschaften zukommen zu lassen. Eines Tages weisen diese Kreidemännchen den Weg zu einem grausigen Leichenfund. Es kommt zu keiner Verhaftung. „C. J. Tudor, Der Kreidemann“ weiterlesen

J. Courtney Sullivan, All die Jahre

Ende der fünfziger Jahre entschließen sich zwei junge Irinnen, in die USA auszuwandern. Nora Flynn und ihre jüngere Schwester Theresa lassen ihre erzkatholische Heimat hinter sich, um in Boston, überwacht von einer dort lebenden irischen Tante, ein neues Leben zu beginnen. Die ehrgeizige Theresa hofft, in Amerika eine Lehrerinnenausbildung absolvieren zu können, was in Irland für sie undenkbar wäre. Auf Nora wartet ihr Verlobter Charlie, der schon einige Zeit vorher in die USA gegangen ist, um für sich und seine zukünftige Frau die Grundlagen für ein gemeinsamen Leben zu schaffen. Aber noch in Irland und besonders während der langen  Schiffsreise kommen Nora Zweifel, ob diese Ehe die richtige Entscheidung ist. „J. Courtney Sullivan, All die Jahre“ weiterlesen

Edna O‘ Brien: Die kleinen roten Stühle

Alles beginnt in Cloonoila, einer Kleinstadt an der irischen Westküste in der Nähe von Sligo. In einer Winternacht taucht ein Fremder im Pub auf und sucht nach einer Unterkunft. Er stellt sich als Dr. Vladimir Dragan vor, von Beruf Heiler, Sexualtherapeut, aber auch Dichter und vieles andere mehr und möchte sich niederlassen und praktizieren. Das ruft als erstes die katholische Kirche auf den Plan, hellhörig, wenn nur das Wort Sex auftaucht. Aber Vuk, der Wolf, so nennt sich Dragan, schafft es spielend, die Bedenken des ihn befragenden Priesters zu zerstreuen. Um den Finger wickelt er auch den Dorfpolizisten, so dass der Praxiseröffnung nichts mehr im Wege steht. Angetan von seinen Heilmethoden, aber auch von seiner männlichen Ausstrahlung sind vor allem die Frauen. Eine von ihnen, Fidelma, mit einem erheblich älteren Mann verheiratet und unter ihrer Kinderlosigkeit leidend, hat ihn ausgewählt, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Vuk lässt sich auf den „deal“ ein, und bald darauf ist Fidelma schwanger. Gleichzeitig mehren sich die Hinweise, dass mit seiner Vergangenheit etwas nicht stimmt: Schmierereien auf dem Bürgersteig vor seiner Praxis, amonyme Briefe, zerstochene Autoreifen. Und dann erfolgt die Verhaftung: im Fernsehen bezeichnet man ihn als die „Bestie von Bosnien“, gesucht wegen grausamster Verbrechen im Jugoslawienkrieg und nun auf dem Weg zum Haager Tribunal.
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J. David Simons, Ein feines Gespür für Schönheit

Als der junge Schotte Edward Strathairn zu Beginn der fünfziger Jahre eine unerwartete Erbschaft macht, die daran gebunden ist, dass er sie für seine Ausbildung verwendet, fällt ihm die Entscheidung leicht: Er will sich von seinem erlernten Beruf des Lehrers abwenden und ein Japanologiestudium beginnen. Dafür geht er nach London, wo er sich bald in die unangepasste amerikanische Kunststudentin Macy verliebt. Die beiden gehen für einige Zeit eine stürmische Beziehung ein, bis Macy ihn nach etlichen Spannungen verlässt. Als Edward kurz darauf von einem japanischen Unternehmen eine Stelle als Übersetzer in Tokyo angeboten wird, ist es für ihn eine willkommene Gelegenheit, England und seine gescheiterte Liebe hinter sich zu lassen.

In Japan geht er einige Zeit seiner Tätigkeit als Übersetzer nach, seine komfortable wirtschaftliche Situation erlaubt es ihm aber, seine Stelle nach einiger Zeit aufzugeben, um sich seinen literarischen Ambitionen zu widmen. Er mietet sich in einem vornehmen Hotel in den japanischen Bergen ein, um einen Roman zu verfassen. Dieses Buch, das den Titel „Das Wasserrad“ tragen wird, befasst mit sich kritisch mit dem Atombombenabwurf der Amerikanischer über Hiroshima und Nagasaki.

Während seines Aufenthalts in dem abgeschiedenen Hotel verliebt Edward sich in eines der Zimmermädchen, Sumiko. Auch hier entwickelt sich eine intensive Beziehung, die abrupt endet, als Edwards Debütroman in Europa erscheint. Das Buch ist schnell ein großer Erfolg und macht ihn mit einem Schlag als Autor berühmt, weswegen sein Verlag ihn nach England zurückbeordert. Edward lässt die untröstliche Sumiko in Japan zurück.

Jahrzehnte später kehrt Edward als alter Mann in das japanische Hotel zurück. Sein Werk ist gerade in Japan sehr bekannt und er wird überall mit großer Hochachtung empfangen. Dennoch gewinnt der Leser bald den Eindruck, dass er nicht vollkommen freiwillig nach Japan zurückgekehrt ist. Und auch das Wiedersehen mit Sumiko gestaltet sich nicht einfach. „J. David Simons, Ein feines Gespür für Schönheit“ weiterlesen