Tage in Cape May

Effie und Henry verbringen ihre Flitterwochen in Cape May, einem verschlafenen Ferienort an der amerikanischen Westküste. Ein Onkel hat ihnen dort sein kleines Ferienhaus zur Verfügung gestellt, nicht ohne Besorgnis, sie könnten das Haus in Unordnung hinterlassen oder ungebührlich viel von den Spirituosen trinken, die im Hause sind. Es ist Herbst 1957, die beiden scheinen die einzigen Feriengäste zu sein, bis zum Beginn der neuen Saison ist Cape May fast völlig verlassen. „Tage in Cape May“ weiterlesen

Jewegeni Wodolaskin: Luftgänger

Innokenti Platonow erwacht 1999 in einem Krankenhausbett in Petersburg und hat sein Gedächtnis verloren. Sein deutscher Arzt Geiger bittet ihn, ein Tagebuch zu führen. In dieses Tagebuch finden sich eingestreut Bruchstücke aus Erinnerungen, sodass Geigers Idee, Innokenti über das Tagebuch Zugang zu dem verschütteten Gedächtnis zu ermöglichen, aufgeht. Für den Leser fügen sich diese Bruchstücke zu einer Biographie eines Menschen zusammen, der „so alt ist wie das Jahrhundert“. Wie kann es sein, dass dieser vielleicht Dreißig- oder Vierzigjährige schon Zarenzeit, Revolution und Stalin erlebt hat? Er erinnert sich an seine behütete Kindheit, z.B. an einen Aviator („Luftgänger“), der sich kühn mit einem Doppeldecker bei einer Flugschau in die Lüfte hebt. Innokenti und sein Cousin sind davon völlig fasziniert.
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Sarah Kuttner, Kurt

Lena und ihr Freund Kurt haben sich entschlossen, aus Berlin wegzuziehen und ein altes Haus auf dem Land zu kaufen. Kurts Sohn, der auch Kurt heißt und hauptsächlich bei seiner Mutter in Brandenburg lebt, kommt jetzt in die Schule und kann deswegen nicht mehr so ohne weiteres zu seinem Vater nach Berlin kommen. Und so ziehen Lena und Kurt in die Nähe von Kurts Ex-Frau und der kleine Kurt wechselt regelmäßig zwischen den beiden Wohnungen.

Lena und Kurt genießen die Zeit mit dem kleinen Jungen, es wird viel gelacht und viel Unsinn gemacht. Aber Lena tut sich auch schwer mit ihrer neuen Rolle. Soll sie sich als Zweitmama für Kurt fühlen? Darf sie sich in die Erziehung einmischen? Soll sie Kurts eigentlicher Mutter sagen, wenn sie mit deren Entscheidungen nicht einverstanden ist?

Schlagartig ändert sich alles, als kurze Zeit nach dem Umzug der kleine Kurt nach einem Sturz von einem Klettergerüst verstirbt. „Sarah Kuttner, Kurt“ weiterlesen

Brigitte Glaser: Rheinblick

November 1972: Bei Hilde Kessel, der Wirtin des Bonner Lokals „Rheinblick“, treffen sich Politiker und Ministerialbeamte. Und natürlich gibt es in diesen Tagen nur ein Thema: den Wahlsieg der Sozialdemokraten. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ist die SPD zur stärksten politischen Kraft geworden.  Gleichzeitig brodelt die Gerüchteküche: Was ist von dem gescheiterten Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Brandt zu halten? Sind Stimmen gekauft worden? Hilde hört die täglichen Unterhaltungen an ihrer Theke, aber sie mischt sich nicht ein und gibt ihr Wissen niemals weiter. Nur einmal hat sie diesen Fehler begangen … .

Willy Brandt hat einen großen Sieg errungen, aber er kann ihn nicht genießen. Unmittelbar nach dem Wahlabend muss er sich in einem Bonner Krankenhaus an den Stimmbändern operieren lassen. Danach wird ihm für 10 Tage ein striktes Sprechverbot erteilt. Die Logopädin Sonja Engel soll ihm helfen, seine Stimme wiederzufinden. Aber der Kanzler wird streng abgeschirmt, nur selten kann sie zu ihm durchdringen. Abends kehrt sie frustriert in ihre WG zurück, wo linke Studenten die ganz großen Utopien diskutieren.

In Sonjas WG taucht dann die junge Reporterin Lotti Legrand auf, die für die Kehler Tageszeitung ein Interview mit dem jungen Bundestagsabgeordneten Wolfgang Schäuble führen soll. Als Lotti zufällig vom Mord an einer jungen Frau in Bonn erfährt und erste Spuren in die politische Sphäre zu führen scheinen, wittert sie eine große journalistische Chance, zumal ihre Wohngenossin Sonja die Ermordete als Patientin kannte. „Brigitte Glaser: Rheinblick“ weiterlesen

Nino Haratischwili: Die Katze und der General

In einem packenden Auftakt schildert Haratischwili ein tschetschenisches Mädchen, Nura, das im Begriff steht, sich aus den Konventionen und Zwängen ihres Dorfes zu lösen. Mentorin ist eine Russin, die als Lehrerin gekommen war. Allerdings muss sie wegen der im Vorfeld des ersten Tshetschenienkrieges wachsenden Spannungen das Dorf verlassen.
Im Krieg selbst wird Nura das Opfer eines brutalen  Kriegsverbrechens. Die Frage nach den Konsequenzen dieses Verbrechens, nach Schuld und Verantwortung bildet das zentrale Thema des Romans. „Nino Haratischwili: Die Katze und der General“ weiterlesen