Brigitte Glaser: Rheinblick

November 1972: Bei Hilde Kessel, der Wirtin des Bonner Lokals „Rheinblick“, treffen sich Politiker und Ministerialbeamte. Und natürlich gibt es in diesen Tagen nur ein Thema: den Wahlsieg der Sozialdemokraten. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ist die SPD zur stärksten politischen Kraft geworden.  Gleichzeitig brodelt die Gerüchteküche: Was ist von dem gescheiterten Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Brandt zu halten? Sind Stimmen gekauft worden? Hilde hört die täglichen Unterhaltungen an ihrer Theke, aber sie mischt sich nicht ein und gibt ihr Wissen niemals weiter. Nur einmal hat sie diesen Fehler begangen … .

Willy Brandt hat einen großen Sieg errungen, aber er kann ihn nicht genießen. Unmittelbar nach dem Wahlabend muss er sich in einem Bonner Krankenhaus an den Stimmbändern operieren lassen. Danach wird ihm für 10 Tage ein striktes Sprechverbot erteilt. Die Logopädin Sonja Engel soll ihm helfen, seine Stimme wiederzufinden. Aber der Kanzler wird streng abgeschirmt, nur selten kann sie zu ihm durchdringen. Abends kehrt sie frustriert in ihre WG zurück, wo linke Studenten die ganz großen Utopien diskutieren.

In Sonjas WG taucht dann die junge Reporterin Lotti Legrand auf, die für die Kehler Tageszeitung ein Interview mit dem jungen Bundestagsabgeordneten Wolfgang Schäuble führen soll. Als Lotti zufällig vom Mord an einer jungen Frau in Bonn erfährt und erste Spuren in die politische Sphäre zu führen scheinen, wittert sie eine große journalistische Chance, zumal ihre Wohngenossin Sonja die Ermordete als Patientin kannte. „Brigitte Glaser: Rheinblick“ weiterlesen

Tom Saller, Wenn Martha tanzt

Thomas ist auf dem Weg nach New York, um ein reicher Mann zu werden. Im Nachlass seiner Großmutter hat er ein Notizbuch gefunden, das seiner Urgroßmutter Martha gehört hat und in dem diverse gr0ße Künstler – Paul Klee, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky – kleine Zeichnungen hinterlassen haben. Das Notizbuch soll nun bei Sotheby’s versteigert werden, am Ende wird es für 45 Millionen Dollar verkauft werden. „Tom Saller, Wenn Martha tanzt“ weiterlesen

J. Courtney Sullivan, All die Jahre

Ende der fünfziger Jahre entschließen sich zwei junge Irinnen, in die USA auszuwandern. Nora Flynn und ihre jüngere Schwester Theresa lassen ihre erzkatholische Heimat hinter sich, um in Boston, überwacht von einer dort lebenden irischen Tante, ein neues Leben zu beginnen. Die ehrgeizige Theresa hofft, in Amerika eine Lehrerinnenausbildung absolvieren zu können, was in Irland für sie undenkbar wäre. Auf Nora wartet ihr Verlobter Charlie, der schon einige Zeit vorher in die USA gegangen ist, um für sich und seine zukünftige Frau die Grundlagen für ein gemeinsamen Leben zu schaffen. Aber noch in Irland und besonders während der langen  Schiffsreise kommen Nora Zweifel, ob diese Ehe die richtige Entscheidung ist. „J. Courtney Sullivan, All die Jahre“ weiterlesen

Gail Honeyman: Ich, Eleanor Oliphant

Eleanor ist Anfang dreißig und lebt ein augesprochen zurückgezogenes Leben. Eigentlich muss man sagen: Sie ist einsam. Auf ihre Mitmenschen wirkt sie abweisend und seltsam. Sie gibt sich wenig Mühe mit ihrem Äußeren, ihr Gesicht ist von hässlichen Narben gezeichnet, die von einer Brandverletzung herrühren. In der Woche verdient sie ihr Geld aus Buchhalterin in einer Werbeagentur, ihre Kollegen haben nur Spott für sie übrig. Die Wochenende verbringt sie allein, nur in Gesellschaft einer oder mehrerer Flaschen Wodka.

Alles ändert sich, als sie sich aus der Ferne in einen gutaussehenden Sänger verliebt und sich vornimmt, diesen Mann für sich zu gewinnen.  Sie ist eine intelligente Frau und ihr ist klar, dass sie in ihrer gegenwärtigen Verfassung keine Chance hat, einen attraktiven Mann auf sich aufmerksam zu machen, und so beginnt sie ganz vorsichtig, Veränderungen bei Kleidung, Frisur und Auftreten vorzunehmen. Da sie gar keine Erfahrung in diesem Bereich mitbringt, führen ihre Versuche immer wieder zu ausgesprochen tragikomischen Szenen.

Nach und nach beginnt sich ihr Leben zu verändern, nur ganz anders, als Eleonor es eigentlich geplant hat. Und nach einer großen Katastrophe muss sie sich ihren Dämonen und den Gründen für ihre Einsamkeit stellen.

Gail Honeyman hat hier einen teilweise lustigen, teilweise traurigen, aber stets unterhaltsamen Roman geschaffen, der von Anfang einen Sog entwickelt, dem man sich nur schwer entziehen kann. Ja, zugegeben, ein bisschen vorhersehbar und manchmal auch kitschig ist die Geschichte schon, das stört aber nicht weiter, weil die verschiedenen Charaktere und vor allem die Hauptperson immer interessant bleiben. Eleanor ist uns durchaus nicht immer sympatisch, ihre Reaktionen wirken oft befremdlich und erst ganz zum Schluss verstehen wir sie wirklich.

Vorsicht: Wenn man einmal anfängt, kann man nicht mehr aufhören. Also planen Sie genug Zeit ein, denn das Buch hat immerhin 528 Seiten.

Petina Gappah, Die Farben des Nachtfalters

cover-gappahMemory sitzt in Simbabwes Hauptstadt Harare im berüchtigten Frauengefängnis Chikurubi und wartet auf die Vollstreckung ihres Todesurteils. Sie ist wegen Mordes an ihrem Ziehvater und Gönner Lloyd Henricks, einem wohlhabenden weißen Professor, verurteilt. Eine amerikanische Journalistin möchte über Memory berichten und fordert sie auf, ihre Geschichte aufzuschreiben. Und so füllt Memory Tagebuch um Tagebuch mit ihren Erinnerungen und mit ihren Beobachtungen aus dem Gefängnis. „Petina Gappah, Die Farben des Nachtfalters“ weiterlesen