Graham Swift: Ein Festtag

30. März 1924, ein Frühlingssonntag wie ein Sommertag, ist der „Mothering Sunday“, der Muttertag, an dem alle Dienstboten einen freien Tag haben. Auch Jane Fairchild, Swifts Hauptfigur, die bei den Nivens als Dienstmädchen arbeitet, hat frei. Ihre Mutter kann sie allerdings nicht besuchen, Jane ist ein Findelkind, ihre Mutter hat sie vor der Pforte eines Waisenhauses abgelegt. Sie will sich in den Garten setzen, lesen, „Jugend“ von Joseph Conrad. Aber es kommt anders, Paul Sheringham, Spross einer upper-class-Familie aus der Nachbarschaft, bittet sie zu einem Stelldichein bei sich zu Hause. Auch bei den Sheringhams ist niemand sonst zu Hause am „Mothering Sunday“, also eine einmalige Gelegenheit.
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Lizzie Doron: Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?

Helena kommt von „dort“, dem für die Überlebenden der Shoah unaussprechlichen Ort mit dem Namen Buchenwald. Sie hat überlebt und ist nach dem Krieg nach Israel eingewandert.
In 20 Episoden aus dem israelischen Alltag der Jahre 1960 bis 1990 schildert Lizzie Doron als Ich-Erzählerin Elisabeth die Existenz der Shoah-Überlebenden im jüdischen Staat. Es wird fast nichts über die Vergangenheit der Mutter, das „dort“ preisgegeben, Helena lebt im „hier“ mit ihrer Tochter und gibt sich alle Mühe, mit ihr ein neues Leben aufzubauen trotz der Fremdheit im neuen Staat, der Einsamkeit und der sozialen Isolation. So nimmt sie z.B. auf Anraten von Elisabeths Lehrerin einen Hahn, eine Katze und einen Untermieter auf, damit das Mädchen nicht ohne die Wärme von Tieren und den Schutz eines Mannes heranwächst.
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Margriet de Moor, Schlaflose Nacht

De Moor Schlaflose Nacht Final_MR.inddDie Buchmesse in Frankfurt steht vor der Tür, die Niederlande und Flandern sind zu Gast, und der Hanser Verlag hat die Novelle „Schlaflose Nacht“ von Margriet de Moor als Neubearbeitung in einer Einzelausgabe herausgegeben.
„Schlaflose Nacht“ handelt von der letzten einer Unzahl von schlaflosen Nächten, die die Ich-Erzählerin seit dem Freitod ihres Mannes durchwacht hat. 14 Monate waren sie verheiratet, 13 Jahre liegt das Unglück zurück. Seitdem verbringt die junge Frau, Lehrerin an einer Dorfschule, ihre Nächte damit, Kuchen zu backen und dabei über das Leben mit ihrem Mann seit ihrem Kennenlernen an der Uni in Leiden nachzudenken und nach Gründen für seinen Freitod zu suchen. „Margriet de Moor, Schlaflose Nacht“ weiterlesen