Beate Sauer: Der Hunger der Lebenden

Spannend ist er, der historische Krimi, der im Sommer 1947 in Köln und im Bergischen Land spielt. Und er vermittelt ein plastisches Bild der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Der Fall scheint klar zu sein: Die Gutsbesitzerin und ehemalige Polizistin Ilse Röder wird erschossen aufgefunden, verdächtig ist Franziska Wagner, die man mit einer Pistole in der Hand neben der Leiche angetroffen hat. Friederike Mathée, einer jungen Polizistin, kommen aber Zweifel, sie hat Mitleid mit Franziska, die, unter anderem durch den Tod ihres Vaters, aus der Bahn geraten ist und dann als „Asoziale“ in ein Lager in der Uckermark
eingwiesen wird, genau von jener Ilse Röder, die nun ermordet wurde. In dem Lager waren die Kinder und Jugendlichen schweren Misshandlungen ausgesetzt, die darauf abzielten, ihre Persönlichkeit zu brechen.
Im Laufe von Mathées Ermittlungen ergeben sich Verbindungen zwischen diesem Mordfall und einem Mord an drei Bomberpiloten der Royal Air Force, die im November 1944 abgestürzt waren und auf diese Weise in die Hände der Deutschen gerieten. Dadurch kommt Mathée wieder in Kontakt mit dem britischen Militärpolizisten Davies, der in diesem Fall ermittelt.
Das Anliegen von Sauer ist es ganz offensichtlich, ihren Leserinnen und Lesern ein Bild der Nachkriegssituation zu vermitteln. Von dem Hunger der Überlebenden, der Trümmerlandschaft, die der Krieg hinterlassen hat, von Kriegsverbrechen und fehlendem Schuldbewusstsein, davon, dass sich die Einstellungen der Polizei und Justiz seit dem Ende der Nazizeit wenig verändert haben. Da wäre vielleicht manchmal weniger mehr gewesen, hätte es auch erlaubt, auf allzu unwahrscheinliche Zufälligkeiten zu verzichten. Aber trotz allem eine spannende und interessante Lektüre.

Beate Sauer: Der Hunger der Lebenden, Berlin 2019, 432 Seiten, ISBN-13 9783548291215, 13,00€

Schreibe einen Kommentar